Der Mythos der perfekten Entscheidung
- Julia Vivell
- 15. Juni
- 2 Min. Lesezeit

"Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?"
Diesen Satz höre ich im Coaching immer wieder.
Und vielleicht kennst du ihn selbst.
Soll ich den Job wechseln?
Soll ich mich trennen?
Soll ich mich selbstständig machen?
Soll ich noch einmal neu anfangen?
Viele Frauen verbringen Monate oder sogar Jahre damit, nach der perfekten Entscheidung zu suchen.
Sie erstellen Pro-und-Contra-Listen, holen sich Meinungen ein, schlafen unzählige Nächte darüber und hoffen, dass irgendwann dieser eine Moment kommt, in dem sich alles plötzlich eindeutig anfühlt.
Doch genau dieser Moment kommt oft nicht.
Warum?
Weil die meisten großen Entscheidungen im Leben keine eindeutige richtige oder falsche Antwort haben.
Jede Entscheidung bedeutet gleichzeitig, auf etwas anderes zu verzichten.
Bleibe ich in meinem Beruf, verliere ich vielleicht die Chance auf etwas Neues.
Gehe ich, lasse ich Sicherheit zurück.
Bleibe ich in einer Beziehung, verzichte ich vielleicht auf einen Neuanfang.
Gehe ich, verliere ich Vertrautheit.
Das macht Entscheidungen so schwer.
Nicht, weil wir unfähig sind.
Sondern weil jede Entscheidung ihren Preis hat.
Oft glauben wir, wir müssten nur lange genug nachdenken.
Doch manchmal hält uns das Nachdenken genau dort fest, wo wir eigentlich längst nicht mehr sein möchten.
Wir warten auf Gewissheit.
Dabei gibt es sie selten.
Ich glaube, wir stellen uns Entscheidungen oft wie eine Weggabelung vor.
Der eine Weg ist richtig.
Der andere falsch.
Doch das Leben funktioniert meist anders.
Es sind nicht unsere Entscheidungen allein, die unser Leben formen.
Es ist das, was wir anschließend aus ihnen machen.
Menschen, die zufrieden auf ihr Leben zurückblicken, hatten selten immer die perfekte Entscheidung getroffen.
Sie haben ihre Entscheidungen angenommen.
Sie sind weitergegangen.
Sie haben gelernt, korrigiert, ausprobiert und manchmal auch wieder umgedreht.
Vielleicht besteht Mut deshalb gar nicht darin, immer die richtige Entscheidung zu treffen.
Vielleicht besteht Mut darin, sich zu erlauben, eine Entscheidung zu treffen, obwohl noch nicht alle Fragen beantwortet sind.
Denn manchmal entsteht Klarheit nicht vor dem ersten Schritt.
Sondern erst, weil wir ihn gegangen sind.
Vielleicht ist das die eigentliche Frage:
Nicht: „Was ist die perfekte Entscheidung?“
Sondern:
„Welche Entscheidung bringt mich meinem Leben ein kleines Stück näher?“
Wenn du merkst, dass dich nicht die Entscheidung selbst, sondern das innere Chaos lähmt, könnte auch dieser Artikel interessant für dich sein:


