Warum Loslassen so schwer ist
- Julia Vivell
- 8. Juni
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Juni

Eigentlich wollte ich nur aufräumen.
Eine Kiste im Keller. Ein paar alte Unterlagen. Erinnerungsstücke, die seit Jahren von einem Regal ins nächste wandern.
Doch plötzlich halte ich etwas in der Hand und merke: Es geht gar nicht um diesen Gegenstand.
Es geht um die Geschichte dahinter.
Viele von uns glauben, Loslassen bedeute, etwas wegzuwerfen. Menschen. Träume. Dinge. Erinnerungen.
Doch so einfach ist es oft nicht.
Denn hinter vielen Dingen steckt viel mehr: vergangene Lebensphasen, Hoffnungen, Entscheidungen oder Versionen von uns selbst.
Deshalb fällt es uns manchmal so schwer, uns von etwas zu trennen – obwohl wir es längst nicht mehr vermisst haben.
Wir halten nicht den Gegenstand fest.
Wir halten die Bedeutung fest.
Besonders in der Lebensmitte begegnet mir dieses Thema immer wieder.
Die Kinder werden größer.
Eine Beziehung verändert sich.
Der Beruf fühlt sich plötzlich nicht mehr richtig an.
Oder wir merken, dass wir jahrelang für andere funktioniert haben – und gar nicht mehr wissen, wer wir selbst eigentlich sind.
Loslassen heißt nicht, die Vergangenheit auszulöschen.
Loslassen heißt nicht, so zu tun, als wäre etwas nie wichtig gewesen.
Loslassen heißt, Frieden damit zu schließen, dass etwas seinen Platz in unserem Leben hatte – und dass dieser Platz sich verändern darf.
Und genau darin liegt oft die eigentliche Freiheit.
Denn jedes Mal, wenn wir etwas loslassen, entsteht Raum.
Raum für neue Erfahrungen.
Raum für neue Ideen.
Raum für die Person, die wir gerade werden.
Vielleicht ist das Schwerste am Loslassen gar nicht das Verabschieden.
Sondern manchmal das Vertrauen, dass danach etwas Neues entstehen darf.
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